Kirchenmusik in St. Bonifatius Wiesbaden Aufruf der englischen Seite

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Kantor / Organist

Gabriel Dessauer, Kantor an St. Bonifatius Wiesbaden

 

 

Gabriel Dessauer

1955 geboren in Würzburg
1974 Abitur im Jesuitenkolleg St. Blasien
1974-1975 Studium der Kirchenmusik am Richard-Strauss-Konservatorium, München (Orgel bei Elmar Schloter)
1975-1980 Studium der Kirchenmusik und im Konzertfach Orgel an der Musikhochschule München (Orgel bei Diethard Hellmann und Klemens Schnorr), Abschluss mit dem A-Examen und dem Konzertexamen
1980-1982 Studium in der Fortbildungs- und Meisterklasse bei Franz Lehrndorfer
1982 Verleihung des Meisterklassendiploms
   
1971-1974 Organist der Gottesdienste am Kolleg St. Blasien
1974-1975 Organist der ev. Akademie Tutzing
1975-1981 Kantor und Organist an St. Andreas, München
seit 1981 Kantor und Organist an St. Bonifatius, Wiesbaden
seit 1995 Dozent für Orgel an der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz
2004 Workshop "Die Chormusik von Max Reger" bei der Tagung der "American Guild of Organists“ in Los Angeles
seit 2010 Leitung des Chores der Stadt Wiesbaden
   
Orgelkonzerte in vielen Ländern Europas. Bisher 10 Orgelkonzertreisen in die USA mit Konzerten u.a. in
  • New York, St. Patrick's Cathedral
  • Washington, National Cathedral
  • Los Angeles, Catholic Cathedral
  • Los Angeles, First Congregational Church
  • Portland/Maine Kotzschmar Organ (2002 und 2005)
  • Methuen Memorial Music Hall (1998 und 2006)
  • San Diego, Balboa Park
   
CDs:
  • "Feuerwerk I-V"
  • "Kontraste"
  • "Max Reger"
  • "Romantische Orgelkonzerte"

 

Orgelkonzerte mit Gabriel Dessauer 2010

Samstag, 13.2.2010, 12 Uhr
Dillenburg, Herz-Jesu
Heitere Orgelmusik zur Marktzeit
Gabriel Dessauer, Orgel

Freitag, 4. Juni 2010 … Uhr
Klausen, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung
Orgelkonzert im Rahmen des Rheinland-Pfalz Kultursommer
Gabriel Dessauer, Orgel

Samstag, 17. Juli 2010, Nachmittag
Rom, San Paolo entro le mura
International organ series
Gabriel Dessauer, Orgel

Freitag, 30. Juli 2010, 19.30 Uhr
Magdeburg, Dom
Orgelkonzert Gabriel Dessauer

Dienstag, 10. August 2010, 20.30 Uhr
Brügge, St. Salvator-Kathedrale
Orgelkonzert Gabriel Dessauer

Samstag, 25. September 2010, 18.30 Uhr
Marburg, Stunde der Orgel
Oboe und Orgel
Leonie und Gabriel Dessauer

Samstag, 23. Oktober 2010, 20.00 Uhr
Sorrento, Chiesa San Francesco
Orgelkonzert Gabriel Dessauer

 

Kontakt

Gabriel Dessauer
Pfarramt St. Bonifatius
Luisenstr. 31
65185 Wiesbaden
Tel.: (+49.) 611 236 44 86
E- Mail: GDessauer@t-online.de

 

"Aber kennen Sie Duruflé?"
Gabriel Dessauers glanzvolles Finale der Orgelfestwochen in St. Bonifatius

Presseartikel von Richard Hörnicke, erschienen im Wiesbadener Tagblatt am 26.01.2009

Artikel lesen (PDF)

 

"Miss Marple zum Finale"
Gelungenes Sommerkonzert von Gabriel Dessauer an Kurhaus-Orgel

Presseartikel von Richard Hörnicke, erschienen im Wiesbadener Tagblatt am 11.07.2007

Zum Vergrößern bitte auf den Artikel klicken.
Der Artikel öffnet sich dann als PDF-Datei in einem neuen Fenster.

Presseartikel Gabriel Dessauer

 

Warum ich gerne Orgel spiele - Werbung für ein unpopuläres Instrument

Es gibt natürlich auch persönliche Gründe, weswegen ich gerne Orgel spiele: Ich fand Gottesdienste als Kind sterbenslangweilig, auszuhalten waren sie nur, wenn ich sie neben der Orgel absitzen konnte. Das war spannend zu beobachten und der Klang einer Orgel aus der Nähe noch packender. Außerdem war man dem frommen Geschehen am Altar etwas entrückt.

Im Internat später suchte ich eine Gelegenheit, mich vor den nachmittags beliebten gemeinschaftlichen sportlichen Betätigungen zu drücken: Musik war immer eine probate Ausrede; Orgel zu spielen hatte noch einen besonderen, leicht elitären Beigeschmack, es hob einen aus der Masse der ordinären Fußballspieler heraus.

Zugegeben, das waren bisher eher Negativmotivationen, sie sprechen noch nicht FÜR die Orgel. Dafür sprechen einige harte Fakten GEGEN das Orgel spielen. Zum einen die unbestreitbare Tatsache, dass Orgelmusik in der Allgemeinheit ein miserables Image hat. Organisten stehen irgendwo zwischen Museumswächtern, verschrobenen ältlichen Jungfern, Dorfschullehrern, und den Orgeldienst neben der Küsterarbeit versehenden peinlich dilettierenden Gelegenheitsmusikern, die weder eine Note lesen noch einen Rhythmus halten können.

Wir wissen, dass dies Bild gottlob weitenteils der Vergangenheit angehört, doch ist es bisweilen abgelöst durch andere Organisten, denen der Gemeindedienst als Vorwand für konzertante Ambitionen dient: Gemeine Liedvorspiele werden zur Spielwiese für Improvisatoren, die ihre im Studium erworbene Kenntnisse zur stilgerechten Improvisation meist barocker Stile in Gemeindegottesdiensten unterbringen möchten. Und es gibt auf dem Gebiet der Orgel erstaunlicherweise eine erkleckliche Anzahl echter „Freaks“. Sie finden sich in der GDO, der „Gesellschaft der Orgelfreunde“, oder haben „Organ“, eine sehr fundierte Zeitschrift, die sich nur mit Orgelbau und Orgelmusik beschäftigt, abonniert. Diese Menschen üben meist einen anderen Beruf aus, lieben aber Orgelmusik, kennen sich in Orgelbau-Details aus, und sind bereit und in der Lage, darüber erbitterte Fehden zu fichten. Sie kennen die Dispositionen sämtlicher Sauer-Orgeln aus den Jahren 1908 bis 1912 auswendig und können sich untereinander die Köpfe heiß reden über den historisch korrekten Einsatz eines Gebläsemotors an einer Orgel – ein bedenkliches Zeichen für unsere Kultur und unseren Wohlstand. Haben wir keine anderen Sorgen?

Hier möchte ich Leser und am Orgelspiel Interessierte beruhigen: Sie müssen zu keiner dieser Gruppen gehören, wenn Sie Orgel spielen möchten.

Sie müssen aber über eine robuste Gesundheit verfügen. Leider gibt es keine Statistiken über die Lebenserwartungen von Organisten. Nachdem Sie sich aber durch ständiges Treppensteigen das Fitnessstudio ersparen können und auch bei winterlichen Temperaturen, die in unseren Kirchen etwa 8 Monate lang herrschen, zum Trotz jeden Tag Ihr Instrument üben und somit Ihr Immunsystem stärken, werden Sie noch lange Ihren Lebensabend genießen können. Ohnehin ist erwiesen, dass Musiker lange leben. Lassen Sie sich nicht einreden, als Organist hätten Sie nicht mehr viel davon, da Sie durch langes und lautes Orgelspiel ohnehin nichts mehr hören würden: Wenn Sie nicht vor einem neobarocken Brustwerk, das Ihnen sein schrilles Gezirpe 50 cm neben dem Kopf in die Ohren pfiff, Ihren Dienst verrichten mussten, können Sie davon ausgehen, dass jeder Geigenspieler mindestens gleichen Phonzahlen ausgesetzt ist.

Noch heute genieße ich, dass ich zum Orgel üben an einen Ort gehen muss, wo ich (seit neuestem abgesehen vom Handy) so schnell nicht gestört werde. My organ is my castle. Nennen Sie mir einen Ort, wo man ungestörter ist: Keine Familie, keine Ablenkung, höchstens mal der Staubsauger der Putzfrau, der unangenehm genau zwischen c und cis seinen Dienst verrichtet. Nun gut, ein paar Register mehr gezogen, und man bekommt das nicht mehr mit.

Kirchenräume sind für mich eine der wichtigsten Motivationen, Orgel zu spielen. Gibt es etwas schöneres, als nachts in einer Kirche zunächst diese durch Orgelklänge zum Schwingen zu bringen und anschließend die fast dunkle und nun völlig stille Kirche zu durchqueren? Wenn die Kirche dann noch eine gotische Kathedrale mit ebensolcher Akustik ist, dann spürt man, wofür man spielt.

Da hat man nun lange für das Orgelnachspiel geübt, am Sonntag hört dann kaum jemand zu. Wenn aber zwei Leute zugehört haben, ihnen das Stück gefallen hat, dann ist das doch schon was. Kommt es auf die Menge an? Gibt es einen qualitativen Unterschied, ob ich einen Menschen erreiche oder Millionen? Wenn der eine Mensch erkannt hat, wie schön ein Final von Vierne sein kann, dann ist schon was erreicht.

Organisten sind manchmal zu schüchtern – vielleicht glauben sie selber ihrem oben beschriebenen Image Rechnung tragen zu müssen. Daher hege ich vollste Hochachtung für jenen Kollegen, der sein Orgelnachspiel mitten im Stück unterbrach, als das Geschwätz der noch in der Kirche Anwesenden zu solcher Lautstärke angeschwollen war, dass man dem Orgelstück nicht mehr folgen konnte. Er unterbrach also, ging zur Emporenbrüstung und rief lautstark hinunter „Das ist unerhört!“ (Schöne Mehrdeutigkeit!). Dies hatte offensichtlich eine fortan heilsame Wirkung.

Sollten Sie den Wunsch haben, dass Ihnen mehr Gemeindemitglieder beim Nachspiel zuhören, reden Sie mit Ihrem Zelebranten, geben Sie ihm einen Zettel, damit er das Werk ansagen kann (bei ausländischen Namen und Titeln ggf. mit Aussprachehilfe). Bitten Sie ihn, er solle vielleicht auch mal sitzen bleiben, das Stück dauere ja auch nur soundsoviele Minuten. Wenn Sie das im freundlichen Ton sagen, wird er Ihnen dies kaum verweigern können. Falls doch, ziehen Sie Ihren Liturgieausschuss oder Ihren Pfarrgemeinderat hinzu, falls die alle dagegen sind, wechseln Sie die Stelle! Denn: Viele Leute schätzen schon deswegen Orgelmusik nicht, weil sie kaum Orgelmusik hören. Die Gelegenheit, dies beim Orgelnachspiel zu ändern, sollte genutzt werden.

Denn man muss zugeben: Orgelmusik ist nicht gerade leicht zu hören: Ein nicht zu unterschätzender und m.E. überbewerteter Teil der Orgelmusik, die polyphone Barockmusik, ist wegen ihrer Vielstimmigkeit für normale Musikliebhaber kaum beim ersten Hören zu verstehen. Schon gar nicht können mehrstimmige Fugen in ihrer Komplexität von Menschen, deren sonstiger Musikkonsum irgendwo zwischen HR3, HR4 und „Musikantenstadl“ anzusiedeln ist, verstanden werden. Wie sagte schon der englische Konzertorganist Lemare so schön: Eine Fuge ist ein Stück, wo die einzelnen Stimmen dazukommen, und die einzelnen Leute hinausgehen.

Um dem Vorurteil, Orgelmusik sei a priori elitär, entgehen zu können, müssen wir Musik spielen, die sich zwar nicht auf das erwähnte Niveau hinab begibt, aber doch zumindest sich ihm zuneigt. Das 18. und das 19. Jahrhundert kennt eine Menge derlei Gemeinde – kompatibler Orgelliteratur, die auch rhythmisch für den musikalisch wenig vorgebildeten Zuhörer attraktiv ist. Weitere Gründe für die geringe Attraktivität von Orgelmusik ist, dass eine große Fülle musikalischer Informationen nur durch eine bestimmte Tonerzeugung produziert wird, das heißt, der Organist der Gefahr durch Eintönigkeit den Zuhörer zu langweilen gewahr sein muss.

Größtes Manko hierzulande: Der Organist ist unsichtbar. Und wie heißt es so treffend im Volksmund: „Die Orgel spielt“. Als ein Pfarrer einmal sagte „Die Orgel spielt jetzt das Lied xy“, kam von der Orgel nichts. Der Pfarrer wiederholte seine Aufforderung – wieder keine Reaktion. Schließlich rief der Organist von der Empore: „Die Orgel spielt nicht!“ Da endlich kapierte der Pfarrer und sagte nun „Der Organist spielt nun…“

Natürlich hat Orgel spielen auch etwas mit der schieren Kraft des sounds zu tun: Ein sattes pleno ist ein erhebendes Gefühl, vergleichbar vielleicht mit einem schnellen Auto (ich weiß, typisches Männerdenken, aber ich bin halt ein Mann, und wieso soll es nicht Organistinnen geben, die ähnlich denken). An einem Spieltisch zu sitzen, ist ähnlich wie am Steuer eines Wagens zu sitzen. Ohnehin vergleicht man gerne eine Orgel mit einem Auto, ich möchte hier aber jetzt nicht ins Detail gehen, da man schnell Orgelbauer und/oder Automarken in Verruf bringen könnte. Doch Vergleiche drängen sich förmlich auf. Ein sattes Tutti hat schon was von 200 km/h auf der (freien) Autobahn. Jede Orgel reagiert verschieden: Die eine möchte geschlagen („toccata“) werden, die andere gestreichelt: Jede Orgel hat ihren eigenen Charakter. Das ist auch etwas Schönes am Orgel spielen: Fremdgehen ist erlaubt. Es macht Freude, sich auf ein neues Instrument und auf einen neuen Raum einstellen zu müssen. Interessanterweise kennt man ja auch unter Organisten den Ausdruck „Der ist mit seiner Orgel verheiratet“, was zumeist bedeutet, dass der Betreffende niemand anderen an diesem Instrument spielen lässt.

Doch haben Organisten es nicht nötig, vergleichbar mit dem Gaspedal, mit dem Tuttiknopf ihrer Orgel zu balzen. Auch eine schöne Flöte oder eine sanfte Schwebung kann verzaubern. Mitten während eines Konzertes in den USA - ich genoß gerade die traumhaften Klänge einer Skinnerschen Streicherschwebung - raunte mir der neben mir stehende Organist beim Umblättern zu „It's better than sex, isn't it?“

Tatsächlich kann man Orgel spielen genießen: Eine Bach-Fantasie, eine Reger-Fuge, eine französische Toccata: All das ist Lebensfreude pur. Selbst Rhythmus kann eine Orgel bisweilen zeigen. Ich kenne kein Musikinstrument dieser Welt, das eine dermaßen große Fülle an Ausdrucksmöglichkeiten in einem Gehäuse und von einem Spieler gesteuert, vereint. Die Orgel ist definitiv die „Königin der Instrumente“.

Und der Weg dorthin ist nicht zu lang. Wer einmal schätzen gelernt hat, welche Kraft und welche Befriedigung in der Ruhe und Meditation des Übens liegt, der wird schon das Üben an sich als Wert empfinden. Auch beim Orgel spielen ist der Weg das Ziel. Das ruhige Erarbeitens eines Werkes, und sei es auch noch so klein und scheinbar unbedeutend, kann eine neue Erfahrung der eigenen Persönlichkeit bewirken. Man verlässt anschließend den Spieltisch und hat viel über sich gelernt, man hat das Lernen gelernt, ist zur Ruhe gekommen und hat nebenbei ein neues Werk einstudiert.

Wenn ich heute vor die Wahl gestellt würde, ein Instrument zu spielen, ich würde ohne zu zögern wieder die Orgel nehmen. Zwar brauche ich zum Ausgleich immer wieder auch ein sozialeres Musikinstrument, hier bietet sich für Kirchenmusiker das Chorsingen bzw. das Chorleiten an. Aber die Rückkehr zur Größe der Orgel ist unabdingbar.

Gabriel Dessauer
im Februar 2005

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